Mobiles Lernlabor 2010/2011

Das Format „Mobiles Lernlabor“ wurde 2010 von der Serviceagentur etabliert und in einem Projektzeitraum von zwei Jahren sechsmal durchgeführt. Ziel war es Schulleitungen, Ganztagskoordinar_innen, Lehrkräften und sozialpädagogische Fachkräften sowie außerschulischen Partnern Raum zu geben, Impulse, Fragen und Erfahrungen gemeinsam zu untersuchen und ganztagsrelevante Themen zu diskutieren.
Ausgang eines jeden „Mobilen Lernlabors“ waren immer zwei thematisch abgestimmte Impulsreferate – zum einen aus der aktuellen Forschung und zum zweiten aus der Praxis. Dieses Tandem lieferte umfangreiche Fachexpertise, die dann gemeinsam mit den Teilnehmenden auf ihre Relevanz für die eigene Praxis reflektiert werden konnte. Ihrem Thema entsprechend fanden die Mobilen Lernlabore in Bremer Schulen statt, die bereits gute Praxiserfahrungen mit den jeweiligen Inhalten hatten.
Hier finden Sie Berichte zu den Mobilen Lernlaboren.
 


1. Mobiles Lernlabor: Millieu und Lernerfolg

Das 1. Mobile Lernlabor „Milieu und Lernerfolg“ fand  am Donnerstag, den 29.04.2010 in der Zeit von 17.00 – 20.00 Uhr in der Oberschule Helgolander Straße statt.

Was haben Prinz Charles und Ozzi Osbourne gemeinsam? Dieser und anderer Fragen gingen Akteure aus Schulen, pädagogische Mitarbeiter_innen und Lehrkräfte sowie außerschulische Partner im ersten Mobilen Lernlabor „Milieu und Lernerfolg“ der Serviceagentur am 29.04.2010 nach.
 
In der Diskussion wird häufig von Problemen im Zusammenhang mit dem vielzitierten „Migrationshintergrund“ gesprochen. Was hat es auf sich mit dem Migrationshintergrund? Über wen reden wir eigentlich, wenn wir von Migrant_innen sprechen? Welche Wirkungen zeigen sich? Welcher Umgang mit Heterogenität bietet sich an? Welche Chancen bieten andere Lern- und Unterrichtsformen?
 
Ging es im ersten Vortrag „Vielfalt als Chance“ von Klaus Gerhards, um die Ergebnisse der Studie „Sinus-Milieus® der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland", wurde im zweiten Teil von Dr. Lutz Liffers – „Berge versetzen und Wasser in die Toiletten“ – anschaulich dargestellt, wie eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Schule und Kooperationspartner aussehen kann. Die Projekte PALAST DER VORSTADT, SPRUNG DER TIGERIN und WERKSTATT ERINNERUNG wurden beispielhaft dargestellt.
 


2. Mobiles Lernlabor: Kooperation in der Ganztagsschule

Das 2. Mobile Lernlabor fand am Mittwoch, den 06.10.2010 von 17.00 - 20.00 Uhr in der Gesamtschule Mitte statt.

Den wissenschaftlichen Vortrag hielt Prof. Dr. Karsten Speck von der Universität Oldenburg zum Thema „Professionelle Kooperationen unterschiedlicher Berufskultur an Ganztagsschulen“
Ganztagsschulen in Deutschland sind für die Umsetzung des Ganztagsbetriebs, vor allem aber für die Erreichung der äußerst anspruchsvollen pädagogischen Ziele auf die Kooperation mit verschiedenen Partnern und Professionen angewiesen. Für eine gelingende Kooperation sind unter anderem eine Klärung der Kooperationserwartungen, eine Absicherung und Pflege von Kooperationsstrukturen sowie Veränderungen im beruflichen Selbstverständnis und Handeln der Kooperationspartner bedeutsam.
Im Vortrag sollen professions- und kooperationstheoretischen Überlegungen, ausgewählte Befunde aus der Ganztagsforschung zur Kooperation sowie Konsequenzen für die Kooperation verschiedenen Partnern und Professionen an Ganztagsschulen vorgestellt werden.
 
Außerdem stellten vier Bremer Ganztagsschulen Praxisbeispiele zur internen und externen Kooperation vor:
 
IS und Gy Obervielland
Die Fachgruppe Sozialpädagogik an der ISS und dem Gymnasium Obervieland arbeitet mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das Konzept der ganztags- und sozialpädagogischen Betreuung sowie die Erfahrungen der Kooperation innerhalb der Schule werden im Mobilen Lernlabor vorgestellt.
 
Gesamtschule West in Kooperation mit der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ)
Die vertiefte Berufsorientierung (VBO) ist ein Projekt der WaBeQ, mit dem Ziel, Schüler_innen der 8.-10. Haupt- und Realschulklassen zur Ausbildungsreife zu führen. Dies wird unterstützt durch individuelle Förderung sowie Module der vertiefenden Berufsorientierung. Die WaBeQ arbeitet mit verschiedenen Ganztagsschulen zusammen.
 
Das Team der Grundschule an der Stichnathstraße setzt sich aus den unterschiedlichsten Professionen (Lehrkräfte, Sonderschulpädagog_innen, Erzieher_innen, Sozialpädagog_innen) zusammen. Wie arbeitet das Team zusammen? Welche Erfahrungen wurden gesammelt? Welche Kooperationsstruktur wurde aufgebaut? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der Präsentation.
 
Die Grundschule am Buntentorsteinweg hat ein Musik- und Sportprofil. Ein Kooperationspartner im Stadtteil ist Jokes - Die Cirkusschule. Gemeinsam stellen die Partner hier die Zusammenarbeit vor.

Vortrag: „Professionelle Kooperationen unterschiedlicher Berufskultur an Ganztagsschulen“
Präsentation: IS und Gy Obervielland

Präsentation: Gesamtschule West in Kooperation mit der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ)

Präsentation: Grundschule am Buntentorsteinweg_Jokes Die Zirkusschule
 


3. Mobiles Lernlabor: „Schwierige“ Kinder - wo ist das Problem?

Dieser Fragestellung widmeten sich über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unserem 3. Mobilen Lernlabor am 08.12.2010 in der Roland zu Bremen Oberschule.  

Im 3. Mobilen Lernlabor stellte Prof. Dr. Stephan Maykus (Hochschule Osnabrück) aktuelle Forschungsergebnisse in seinem Vortrag „Schwierige“ Kinder in der Ganztagsschule – Nagelprobe für individuelle Förderung in Kooperation vor. Im Anschluss stellten drei Ganztagsschulen Beispiele aus der Praxis vor.
 
Die Ganztagsgrundschule Auf den Heuen arbeitet eng mit der Kinder- und Jugendhilfe zusammen. ETEP (EntwicklungsTherapie /EntwicklungsPädagogik) ist ein pädagogisches Konzept zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten, das ein multiprofessionelles Team der Schule erfolgreich anwendet und über das es berichten wird.
 
Ein Sozialpädagoge aus der Oberschule In den Sandwehen führte in einem 6. Jahrgang über einen Zeitraum von ca. 5 Monaten eine AG durch, in der es darum ging, das Verhalten so genannter „schwieriger Jungen“ zu ändern. Er berichtet im MoBiLa über die praktischen Ansätze und deren Umsetzung. Weiterhin berichtet er über mögliche Übertragbarkeit in den Klassenunterricht sowie über Synergien der AG, die in der Klasse spürbar sind.
 
Wie funktioniert die individuelle Förderung als gemeinsame Aufgabe von Schule und Jugendhilfe? Die Oberschule Roland zu Bremen/Förderzentrum Huchting stellt ihre Antwort in den Arbeitsbereichen

•    Einsatz von Schulsozialpädagogen für Beratung, Unterstützung, Betreuung
•    Kooperation mit Sozial- und Jugendeinrichtungen zur Gestaltung und Durchführung von Ganztagskursen
•    Kooperation mit der Jugendhilfe zur Bewältigung von Erziehungsschwierigkeiten

vor. Eine Besonderheit der gemeinsamen Erziehungsarbeit ist das Lions-Quest-Programm (Programm zum sozialen Lernen) an den Huchtinger Schulen und in den Huchtinger Sozial- und Jugendeinrichtungen.
 
Das Mobile Lernlabor wendete sich an Schulleitungen, Ganztagskoordinator_innen, Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und außerschulische Partner.

Vortrag: „Schwierige“ Kinder in der Ganztagsschule –  Nagelprobe für individuelle Förderung in Kooperation
 


4. Mobiles Lernlabor: Eltern und Ganztagsschule - Wege der Zusammenarbeit finden

Wenn Eltern und Pädagogen gefragt würden, ob sie eine Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule für wichtig halten, würden die allermeisten sicher antworten: „Ja, natürlich! Aber……..“
Dieses ABER drückt aus: Da passt etwas oft (noch) nicht zusammen.
Eltern kommen zu Sprechtagen und Elternabenden; Elternvertreter nehmen an Konferenzen teil; manche helfen bei unterschiedlichen Gelegenheiten in der Schule. Das ist gut so.
ABER: Ist das schon alles, was Eltern und Lehrkräfte unter Zusammenarbeit verstehen?
Wenn wir genau hinsehen, stellen wir fest, dass manche Eltern selten oder gar nicht in die Schule kommen. Andere würden am liebsten jede Kleinigkeit für ihr Kind mit der Schule regeln.
Gibt es überhaupt „die Eltern“? Was wissen wir von uns, unseren verschiedenen Lebenswelten, Erwartungen und Problemen? Sprechen wir eine Sprache? Welche eigenen Schulerfahrungen haben Eltern? Empfängt die Schule sie als Partner? Was sind die Chancen, aber auch die Grenzen einer Partnerschaft zwischen Eltern und Schule?

Matthias Bartscher, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder der Stadt Hamm und Vorsitzender der Elternschule Hamm versuchte am 08.06.2011 in der Ganztagsgrundschule am Buntentorsteinweg in seinem Vortrag dem ABER auf die Spur zu kommen. Er beschreibt Grundlagen einer differenzierten Sicht auf die Lebenswelten von Eltern. Daraus leitet er unterschiedliche Ansätze (Zugänge) ab, wie (mit denen) Eltern für eine Zusammenarbeit mit Schule als Partner der Schule zu gewinnen sind.

Im Dialog mit den Teilnehmern des Lernlabors wollen wir Wege der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern finden. Eltern und Pädagogen werden gelungene Beispiele für eine Zusammenarbeit an Bremer Schulen darstellen. Gemeinsam wollen wir gute Ansätze und Ideen weiter entwickeln.
 


6. Mobiles Lernlabor:  „Das wollen wir zur Sprache bringen!“ – Feedback-Kultur gemeinsam gestalten

Regelmäßiger Informationsaustausch, Rückmeldungen und Gespräche gewährleisten gesicherte Abläufe mit wenig Reibungsverlusten bei allen in der Ganztagsschule. Deshalb steht im 6. Mobilen Lernlabor das Feedback als konstruktive Kommunikation im Vordergrund.
 
Die Ganztagsschule bietet durch den intensiven Kontakt zwischen Schüler_innen und Lehrer_innen die Möglichkeit, viel individuellerer auf die Stärken und Schwächen der Kinder und Jugendlichen einzugehen.
Auch durch die Betonung des eigenverantwortlichen individuellen Lernens wird die Lehrertätigkeit zur Lernbegleitung. Es bleibt mehr Zeit für individuelle Betreuung und Beobachtung des Lernverhaltens und für Beratung einzelner Schülerinnen und Schüler.
Auch für den Umgang der Erwachsenen ist konstruktive Kommunikation wichtig. Der Austausch über das professionelle Handeln in den multiprofessionellen Teams und mit dem außerunterrichtlichen Personal gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch hier ist eine bewusste Feedbackkultur hilfreich.
 
Neben der wissenschaftlichen Einführung von Frau Dr. Ulrike Krause stellen drei Bremer Schulen ihre Praxisarbeit vor.